Hier finden Sie Informationen, wie Sie die Herkulesstaude / den Riesenbärenklau in ihrer Ausbreitung  stoppen können.


Im Einzelnen finden Sie folgendes:

Stauden melden: Zuständig für die Bekämpfung sind die örtlichen Unteren Naturschutzbehörden bzw. die Grünflächenämter in Ihrer Gemeinde.

1.  Einleitung
7.  Mähen
9.  Abstechen
11.Fräsen


    Einleitung


    In zunehmender Zahl stehen Naturschutzverbände, Grünflächenämter und Grundstücksbesitzer vor dem Problem der starken Ausbreitung der Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) und damit vor der Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen.

    Aus Einzelpflanzen, an deren imposantem Anblick man sich noch erfreuen kann, gehen im Verlauf weniger Jahre umfangreiche Bestände hervor, die einzudämmen erheblichen und von Jahr zu Jahr wachsenden Arbeitsaufwand erfordert.

    Auf die davon ausgehenden Gefahren, nämlich die Hautverbrennungen beim Menschen, die Giftigkeit und die Verdrängung der einheimischen Pflanzen, soll hier, weil bekannt, nicht näher eingegangen werden.

    Es wird vermutlich auf keine Weise gelingen, die Herkulesstaude wieder ganz aus unserer Landschaft zu vertreiben. Wenn man daraus die Folgerung ableitet, gar nichts zu tun oder die Eindämmung auf Kinderspielplätze, Natur- und Landschaftsschutzgebiete und deren Umgebung zu beschränken, unterschätzt man die Ausbreitungsfähigkeit der Pflanze.
    Wegen der großen Samenmenge und der Wüchsigkeit auf fast allen Standorten stünde man bald vor nicht mehr zu leistendem Kontroll- und Arbeitsaufwand.
    Für die Verbreitung spielt außer dem Wind und dem Wasser (z.B. Bäche) der Mensch die Hauptrolle, sei es, dass er als Imker Heracleum als Bienenweide sät, als Gärtner reife Samenstände im "Unland" ablagert oder die dekorativen getrockneten Dolden mit dem Fahrrad transportiert. Die Verbreitung durch Vögel, Säugetiere und Insekten dürfte die Ausnahme darstellen.
    Da es bisher keine natürliche Regulierung der Ausbreitung der Herkulesstaude z.B. durch Fressfeinde oder Krankheiten gibt, muss sie durch den Menschen geschehen.

    Verwechslungsmöglichkeiten bestehen vor allem mit folgenden Doldenblütlern:
    Dem häufigen Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium)
    und einer der Engelwurzarten (Angelica silvestris oder archangelica).

    Die Ähnlichkeit mit der Herkulesstaude besteht bei diesen Pflanzen in der großen Blütendolde und dem Samenstand. Die Unterscheidungsmerkmale, nämlich die Größe und Blattformen, können hier nicht aufgezeigt werden.

    Im Folgenden werden stichpunktartig Erfahrungen mitgeteilt, die aus mittlerweile fünfzehnjähriger Bekämpfungsarbeit hervorgehen.
    Sie sollen denen, die neu vor der Aufgabe stehen, das "Lehrgeld" ersparen, dass wir, von praxisfernen Merkblättern angeleitet, anfangs zahlen mussten.

    Jedes Vorgehen soll an drei Forderungen gemessen werden:

    1. Es muss wirksam sein, d.h. zum Absterben der Pflanze bzw. Samen führen und damit zum Erlöschen des Bestandes.

    2. Es muss möglichst zeit- und kraftsparend sein.

    3. Es muss möglichst ungefährlich im Hinblick auf Hautverbrennungen sein.

    Planung der Bekämpfung

    Am Anfang sollte die Erfassung der Lage und ungefähren Größe der Bestände stehen, um sie während der arbeitsintensiven Zeit vollständig kontrollieren und bearbeiten zu können. Auch Einzelpflanzen, hinter denen sich bei genauerem Hinsehen oft weitere Jungpflanzen "verstecken", werden aufgelistet.
    Die Verhinderung der Aussamung im Juli ist die unverzichtbare Grundlage jeder Eindämmung, weil damit der Entstehung tausender neuer Pflanzen vorgebeugt wird.

    Bei kleineren Beständen lohnt das Ausgraben, weil sie anschließend nur noch kontrolliert werden müssen. Wenn an einem Standort im Verlauf von drei Jahren keine neuen Pflanzen zu sehen sind, kann er aus der Liste herausfallen.

    In einem mehr als zehn Jahre alten Bestand konnte ich durchschnittlich ein bis zwei blühende Pflanzen, ein bis zwei mehrblättrige, und sieben einblättrige Nichtblüher
    pro qm zählen. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von keimfähigen Samen im Boden. Alle diese stehen als eine Reserve des Bestandes bereit und warten auf ihre Chance, abgestorbene oder beseitigte Pflanzen zu ersetzen, von denen sie durch Beschattung am Wachstum gehindert wurden.

    Bei größeren, älteren Beständen muss deshalb von vornherein klar sein, dass auch bei richtiger Vorgehensweise sichtbare Erfolge erst nach mehrjähriger Bekämpfung zu erzielen sind.

    Die Vorgehensweise, ob Samenstandsentfernung oder Graben, muss je nach der verfügbaren Zeit entschieden werden.
    Während Graben vom März/April bis zum Frosteintritt möglich ist, stehen für das Kappen der Samenstände nur wenige Wochen im Juli zur Verfügung. Wenn die Samen trocken sind und herunterfallen, ist es schon zu spät. Ausgraben kann also dem Arbeitsanfall im Juli die Spitze nehmen helfen und führt zu einer schnelleren Verminderung der Bestandsgrößen.

    Bei Großbeständen von Hunderten oder Tausenden Pflanzen ist die Samenstandsentfernung Mitte Juli der Königsweg.

    Mit verh. geringem Aufwand an Arbeitskraft und -zeit können die Pflanzen "unschädlich" gemacht werden , d.h. die Aussamung wird verhindert und die Mutterpflanzen sterben ab. Der sichtbare Erfolg stellt sich allerdings erst nach einigen Jahren ein. Die Entfernung muß für mehrere Jahre wiederholt werden, bis die letzten Pflanzen ausgegraben werden können.

     

     

    Kleidung und Werkzeug

    Bei allen Arbeiten müssen geschlossene Kleidung, lange Arbeitshandschuhe und feste Stiefel getragen werden.
    Die Gefahr, im Gesicht oder in den Augen von Saftspritzern getroffen zu werden, ist bei vorsichtigem Arbeiten so gering, dass auf Schutzmaßnahmen wie Brille o.Ä. verzichtet werden kann.
    Zum Abschneiden der Samenstände eignet sich entweder eine Ambossgartenschere oder  ein scharfes Messer von mindestens 20 cm Klingenlänge .
    Für das Ausgraben der Wurzeln, das eigentlich ein Heraushebeln ist, wird ein sehr stabiler Spaten benötigt, damit das Blatt der angewendeten Kraft standhält und nicht verbiegt. Besonders geeignet ist - wahrscheinlich nicht nur für den schweren Marschboden Wilhelmshavens - ein sogen. Kleispaten , der ein sehr starkes, aus einem Stück geschmiedetes Blatt von 32 cm Länge und nur 13 cm Breite hat (Fa. Ideal 2). Zur Arbeitserleichterung wird der Spaten nach dem Gebrauch gereinigt, geölt und die Schneide wenn nötig. mit einer Metallfeile nachgeschärft .
    Eine Spitzhacke kann erforderlich sein, um auf steinigem oder schutthaltigem Untergrund die dort meist oberflächlich wurzelnden Pflanzen zu lockern und herauszuhebeln.

    Ausgraben

    Die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme ist das Ausgraben .
    Dabei müssen mindestens die oberen 2 cm der Wurzelrübe ausgegraben werden, weil sich in diesem Teil die Regenerationsanlagen der Pflanze befinden


    Tiefere Wurzelteile treiben nicht wieder aus, sondern verrotten im Boden. Die Pflanzen werden nach Abschütteln der an den Wurzeln haftenden Erde so zum Vertrocknen ausgelegt, dass die Wurzeln den Boden nicht berühren, z.B. auf eine Plastikfolie oder über einen Ast.

    Um das Austrocknen zu beschleunigen bleiben die Blätter an der ausgegrabenen Wurzel.

    Wenn das Trocknen nicht möglich ist, können die Wurzeln von den Blättern abgeschnitten und über den Restmüll oder die Hitzekompostierung entsorgt werden.

     Ist das vor Ort nicht möglich, muss entschieden werden, ob die Pflanzen an anderer Stelle getrocknet oder die Wurzeln abgeschnitten und in einem Plastiksack in den Restmüll gegeben werden.

    Auf diese Weise kann eine Person in einer Stunde 100 bis 200 ein- bis zweiblättrige nicht blühende Pflanzen ausgraben.
    Bei kleineren Pflanzen, also Sämlingen und Einjährigen, besteht die Gefahr, dass sie abreißen und die Wurzelknolle in der Erde verbleibt.
    Mühsam ist das Graben, wenn der Boden Schutt, Steine oder Baumwurzeln enthält.

    Abschneiden des Samenstandes

     Wenn die Mitteldolde schwere, grüne Samen ausgebildet hat, können mit einem Arbeitsgang sowohl die Mutterpflanze als auch ihre Samen unschädlich gemacht werden. Dazu wird der gesamte Blüten- bzw. Samenstand - die Nebendolden befinden sich zu diesem Zeitpunkt oft noch in voller Blüte - so hoch wie möglich abgeschnitten und in Einzeldolden zerlegt.

    Samentragende Dolden müssen gesammelt und entsorgt werden. Blühende Dolden können auf den Boden fallen gelassen werden, wo sie verwelken.

    Die Mutterpflanze muss stehen bleiben und stirbt im Spätherbst ab, so wie sie es bei Samenreifung und -fall getan hätte.

     Auf diese Weise kann eine Person in einer Stunde 30 bis 40 Samenstände abschneiden und zerlegen. Die Mutterpflanze bleibt stehen und stirbt im folgenden Winter ab.

    Je nach Standort und Klima werden die Samen Anfang bis Mitte Juli die nötige Reife haben. Schneidet man zu früh, kommen Nachblüten, bei zu spätem Schneiden fallen die Samen herunter.

    Entsorgung der Samen

    Zu dem Zeitpunkt, an dem das Abschneiden der Dolden empfohlen wird, sind die Samen so weit entwickelt, dass sie auch getrennt von der Pflanze zur Keimfähigkeit weiterreifen können; sie müssen also so beseitigt werden, dass daraus keine neuen Pflanzen keimen.
    Bei kleinen Mengen kommt der Abtransport in Plastiksäcken in Frage.
    Dabei besteht die Gefahr, dass die Säcke von den Strahlen der Samenstände zerstochen werden und die Samen herausfallen. Die Säcke dürfen deshalb nicht überfüllt werden.
    Je nach den örtlichen Gegebenheiten können die Samen der Hitzekompostierung übergeben, verbrannt oder im Sack faulen gelassen werden. Bei großen Mengen sollten, um Samenflug während des Transportes zu vermeiden, die Samen vor Ort auf einer möglichst kleinen Fläche auf einem Haufen gelagert werden, z.B. im Schatten eines Baumes oder Busches.
    Das ist gefahrlos möglich, weil
    1. durch die entstehende Wärme die meisten Samen zerstört werden.
    2. die oberflächlich liegenden Samen zwar im Frühling keimen, aber anschließend vertrocknen.
    3. eventuell doch noch wachsende Pflanzen sich auf der kleinen Fläche gegenseitig konkurrieren und leicht zu enfernen wären.

    Wo Sicherheit vor Störungen und Vandalismus besteht, kann diese Kompaktlagerung durch Abdecken mit Silofolie unterstützt werden, unter der die Samen verrotten.

    Als geeignet für die Lagerung größerer Samenmengen haben sich Bigpacks erwiesen, weil sie unzerreißbar sind und die Schlaufen zusammengebunden werden können. Sie können entweder am Standort belassen oder z.B. auf einem Betriebshof deponiert werden. Die Samen sterben im Laufe eines Jahres ab.

    Wichtig: Auf dem Weg zur Entsorgung dürfen keine Samen aus beschädigten Müllsäcken verstreut werden.

     

    Mähen

    Diese verbreitetste Bekämpfungsmethode ist, wenn nur zwei- bis dreimal im Jahr durchgeführt, völlig nutzlos. Aus der Speicherwurzel kann Heracleum in wenigen Wochen die verlorene Blattmasse ersetzen.
    In einem normalen Bestand von ein- bis dreijährigen Pflanzen erschwert das Mähen die gezielte Entfernung der Samenstände, weil sie niedrig bleiben und im Blattwerk der Nichtblüher verschwinden.

    Gelingt es, durch mehrmaliges Mähen die Samenreifung zu verhindern, ist trotzdem nichts gewonnen, weil die Pflanze, die keine Samen gebildet hat, nicht abstirbt, sondern im folgenden Jahr aus vergrößerter Wurzelknolle erneut austreibt und Blüten bildet.
    So geht es über Jahre fort, wenn weiter gemäht wird.

    Im Vorjahr gemähte Pflanzen bilden meist - ähnlich solitär stehenden - außer der Hauptdolde mehrere kleinere Nebenblütendolden, die das Einsammeln der Samenstände erschweren, weil sie im dichten Bestand leicht übersehen werden.

    Wirksam ist Mähen nur, wenn es im Abstand von ein bis zwei Wochen über eine Vegetationsperiode hinweg geschieht, also sechs bis acht mal. Das ist nur auf Rasenflächen möglich, nicht auf unebenen oder gehölzbestandenen Standorten, die die Mehrzahl bilden .

    Abschlagen

    Das Herumschlagen mit einer Machete oder ähnlichem befriedigt zwar schlichte Kämpferherzen, ist aber ebenso nutzlos wie Mähen .
    Die Gefahr, mit dem austretenden Saft der angeschnittenen Blätter und Stängel in Berührung zu kommen oder sich die Kleidung zu tränken, ist groß. Das gezielte und zeitgerechte Entfernen der Samen wird erschwert oder verhindert. Wie beim Mähen bilden die Pflanzen Nachblüten oder treiben im Folgejahr wieder aus.

    Abstechen

    Beim bloßen Durchstechen der Wurzel wird entweder die Wurzelrübe selbst oder der aus ihr entspringende Stängel mit Blattansätzen durchstochen. In keinem von beiden Fällen stirbt die Pflanze ab. Wird die Wurzel durchstochen, erholt sie sich durch oberflächlich abgehende Seitenwurzeln. Das Durchstechen des Stängels ist ebenso unwirksam wie Mähen, da die Wurzelrübe neu austreibt.

    Herbizide

    Als einziges spezifisch gegen die Herkulesstaude wirksames Präparat ist Garlon 4 auf dem Markt.
    Es muss, um wirksam zu sein, im Stadium der großen Rosette, also im zeitigen Frühjahr oder 1-2 Wochen nach einer Mahd angewendet werden. Die Awendungsbeschränkungen durch die Landwirtschaftskammern bzw. Naturschutzbehörden sind zu beachten.

    Der Einsatz von Herbiziden wird durch den Gesetzgeber stark eingeschränkt. Vor jeder Anwendung muss eine Ausnahmegenehmigung beim Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer eingeholt werden

    Fräsen:

    Wenn der Boden frei von Steinen und Baumwurzeln ist, kann durch evtl. mehrmaliges 10-12 cm tiefes Fräsen mit einer Traktorfräse ein Heracleumbestand soweit ausgedünnt werden, dass die verbleibenden Wurzeln ausgegraben werden können.
    Gegen Samen ist Fräsen wirkungslos.

    Abschneiden der Blüten

    Die Entfernung der Blüten vor der Ausbildung von Samen ist nutzlos, weil die Pflanze erneut Blüten bildet, die dann in weiteren Arbeitsgängen kontrolliert und entfernt werden müssen.
    Diese Nachblüten entspringen aus den nächsttieferen Blattachseln und sind deshalb schlechter zu entfernen als die Erstblüte. Wird durch mehrmaliges Blütenabschneiden die Samenbildung verhindert, treibt die Pflanze im Folgejahr wieder aus.

    Kurz und bündig

    Die Erfahrung hat gezeigt, dass einige Bekämpfungsmaßnahmen, z.B. unregelmässiges Mähen, Abschlagen und Blütenabschneiden völlig nutzlos sind.
    Sie sollten daher zugunsten der nachstehenden Methoden unterbleiben:

    1. Im Juli alle Samenstände einsammeln und vernichten!
    2. Von März bis zum Frosteinbruch ausgraben, ausgraben, ausgraben!

    Impressum

    ©
    Text: Dr. Wolf Herold.
    Fotos: Dr. Wolf Herold.

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    Weitere Informationen zum Thema finden Sie zum Beispiel hier:


    Gesprächsnotizen...


    http://www.botanikus.de/Gift/herkules.html
    http://sun1.mnd.fh-wiesbaden.de/fag/gblb/lb/lb0142.html
    http://imsdd.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/riesenbaerenklau.html

    Wie sehen die Stauden überhaupt aus?
    schauen Sie mal hier: Bilderübersicht


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